Diabetes-Katzen

Deine Katze hat Diabetes? Wir helfen.

Einstellung diabetischer Katzen auf physiologische Werte 

Physiologische Werte - Was bedeutet das?

Bei Diagnosestellung sind die Blutzuckerwerte von diabetischen Katzen krankhaft erhöht und liegen weit über dem Normalbereich (Hyperglykämie).
Die Blutzuckerwerte einer diabetischen Katze, sollten sich im Idealfall, aus dem krankhaften Bereich wieder in den gesunden (physiologischen) Bereich verschieben und dort dauerhaft bleiben um Folgeerkrankungen zu vermeiden.
Hyperglykämie schädigt vor allen Dingen die Nieren bis hin zum Nierenversagen.
Der physiologische Bereich liegt etwa zwischen 50 mg/dl und 120 mg/dl.

Von einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) sprechen wir, wenn der Blutzucker unter einen Wert von 50mg/dl sinkt.
Auch schon bei etwas höheren Blutzuckerwerten können Unterzuckerungssymptome auftreten, ausgelöst durch z.B. zu schnelles Absinken des Blutzuckerspiegels, aber auch erst bei deutlich niedrigeren Werten als 50 mg/dl.


Wichtiger Hinweis 

Eine Hypoglykämie ist ein sehr ernst zu nehmender Zustand und du solltest die Symptome kennen und wissen, wie man darauf reagiert.

Es kann schlimme Folgen haben, wenn man im akuten Fall erst nachlesen muss!
Richtiges und schnelles Eingreifen ist wohlmöglich lebensrettend.  

Die Einstellung auf physiologische Werte mittels Fremdinsulin setzt voraus, dass man in der Lage ist, engmaschig die Blutzuckerwerte seines Tieres zu kontrollieren, also das Hometesting sicher beherrscht.
Rechnung getragen werden muss den individuellen Lebensumständen des Katzenbesitzers.
Wer den ganzen Tag ausser Haus ist und in diesem Zeitraum nicht die Blutzuckerwerte kontrollieren kann, der sollte seine Katze nicht auf physiologische Werte einstellen und etwas höhere Werte in Kauf nehmen.
Es gilt bei dieser Entscheidung jedoch zu bedenken, dass bei einer Einstellung, die im physiologischen Bereich erfolgt, eine Remission (Insulinfreiheit) sehr viel wahrscheinlicher wird. 
Großen Wert legen wir darauf, dass jeder Katzenbesitzer selbst festlegt und entscheidet, in welchem Bereich für ihn und seine Katze der „Wohlfühlbereich“ liegt, oder ob er sein Tier auf physiologische Werte einstellt.
 

Leitfaden zur Einstellung 

Ein paar Worte vorab

Viele Katzenbesitzer sind unmittelbar nach der Diagnose mit der Flut an Informationen erst einmal überfordert und suchen Hilfe im Internet. Schnell erfahren sie aus diversen Webseiten, dass es ein großes Maß an Verantwortung mit sich bringt, wenn man eine selbständige Einstellung der Katze in die eigenen Hände nimmt.
Da wir selbst alle diabetische Katzen haben oder hatten, wissen wir, dass man zu Menschen in einem Internetforum erst Vertrauen aufbauen muss. Auf den Rat anderer fremder Menschen zu hören und unbekannten Laien ein Stück weit die Gesundheit und das Leben seines geliebten Tieres anzuvertrauen, ist nicht einfach.
Wir kennen diese Ängste und wissen wie man sich fühlt, wenn man z.B. nicht den ganzen Tag zuhause ist, weil man arbeiten muss, also die Katze nicht kontrollieren kann, daher beraten wir nach bestem Wissen und Gewissen.  

Es ist kaum möglich, eine gute Einstellung auf physiologische Werte, mit einem Tierarzt, sowohl finanziell als auch zeitlich, zu realisieren. Ein Tierarzt kann sich in den meisten Fällen nicht in dem zeitlichen Umfang um ein einzelnes Tier kümmern, der hierzu nötig wäre. Und wenn, werden es sich die wenigsten Besitzer finanziell leisten können.
Wer sich mit dem Thema Diabetes seiner Katze auseinander setzen muss, dem werden diese Umstände schnell bewusst werden.
Es wird allerdings auch Momente geben, wo wir einen gewissen Druck auf euch ausüben müssen.
Dabei wird es um Situationen gehen, in denen das Leben der Katze akut in Gefahr sein kann und es schnell lebensbedrohlich werden könnte.
Wenn es solche Situationen geben sollte, dann ist es möglich, dass ihr schnell handeln müsst und ggf. auch nachts eine Tierklinik aufsuchen solltet.
Bitte nehmt unsere Hinweise dazu erst.


 

Phase 1 - Festlegen der Startdosis

Es wird im Allgemeinen mit einer Dosis von 0,25 IE/kg Körpergewicht gestartet.
Sollte die Katze bereits mit einem anderen Insulin behandelt worden sein, kann auch eine niedrigere oder höhere Startdosis in Frage kommen.
Die Insuline Lantus und Levemir werden in einem Abstand von 12 Stunden 2x täglich gegeben (BID).
Vor (PRE) jeder Verabreichung des Insulins muss der Blutzucker der Katze gemessen werden und die Katze muss gefüttert werden.

Regel: Messen - Füttern - Spritzen


In der Einstellungsphase musst du den Blutzucker deiner Katze engmaschig alle 3 Stunden kontrollieren nach Möglichkeit auch nachts,  also +3, +6, +9 (+3 heisst 3 Stunden nach der Spritze).
Nur so wirst du wissen, wie deine Katze auf das Insulin reagiert und kannst ggf. frühzeitig reagieren, falls die Werte in einen zu niedrigen Bereich fallen sollten.
Desweiteren musst du in dieser Phase auf vorhandene Ketonkörper möglichst im Blut messen.
Eine diabetische Ketoazidose kann in kürzester Zeit zum Tod der Katze führen, wenn sie unentdeckt und unbehandelt bleibt.

Deine Katze erhält über einen Zeitraum von 24 Stunden mehrere kleine Mahlzeiten, am besten die Tagesfuttermenge aufgeteilt auf 6 bis 8 Mahlzeiten.
Siehe dazu auch Futtermanagement.   

Die Startdosis sollte über 3 Tage gehalten werden, es sei denn, dass sich abzeichnet, dass die Insulinmenge deutlich zu hoch oder zu niedrig ist.
In diesen Fällen wird reduziert oder zügiger erhöht, um mögliche Komplikationen oder Risiken wie z.B. eine Hypoglykämie oder diabetische Ketoazidose zu vermeiden.  

Wenn die Werte unter 50 mg/dl (2,8 mmol/l) absinken, wird zum nächsten PRE die Dosis um 0,25 IE reduziert.Wenn die Werte mit der Startdosis ein sehr hohes Niveau nicht verlassen, wird bereits vor Ablauf der 3 Tage erhöht. 

 

Phase 2 - Erhöhung der Dosis  

In den meisten Fällen muss die Dosis erhöht werden.
Dies geschieht in 0,25 oder 0,5 IE Schritten.

Von jetzt an wird die Dosis 5-7 Tage gehalten, es sei denn, dass weiterhin hohe Blutzuckerwerte gemessen werden, dann sollte wie folgt verfahren werden:
 

  • die Dosis wird schon nach 2 bis 3 Tagen um 0,25 IE erhöht, wenn der Nadir kontinuierlich über einem Wert von 200 mg/dl (11,1 mmol/l) liegt
  • wenn der Nadir kontinuierlich über einem Wert von 300 mg/dl (16,7 mmol/l) liegt,
    wird die Dosis schon nach 2-3 Tagen um 0,5 IE erhöht.

Es ist möglich, dass die Blutzuckerwerte nach einer Dosiserhöhung erst einmal ansteigen. Das kann in den ersten 2-3 Tagen vorkommen (möglich wäre eine sogenannte „Panicky Liver“? – eine genaue Ursache dafür ist nicht bekannt, das hält aber oft nicht länger als 24 Stunden an.
Man sollte die Schwankungen ignorieren und die Dosis halten.  

Die Insuline Lantus/Levemir können oft länger als 12 Stunden wirken, in Folge dessen kann es zu Überlappungen bei den Dosen kommen, welche sich unterschiedlich auswirken können.
Der Nadir kann sich eventuell dadurch u.U. bis zum nächsten PRE verschieben.

Wir spritzen nicht während der Einstellung bei PRE-Werten, die unter 80 mg/dl (4,4 mmol/l) liegen.

Es empfiehlt sich, wenn man einen solchen Niedrig-PRE misst, zunächst die Katze wie gewohnt zu füttern und erst zu spritzen, wenn der Blutzuckerwert
bei/über 80 mg/dl (4,4 mmol/l) liegt.
Wenn der Zeitraum, bis dieser Wert erreicht wird, länger als 1-2 Stunden dauert, empfehlen wir, nicht die normale Dosis, sondern eine anteilige Dosis zu spritzen.
 

Formel
Beispiel
Normale Dosis : 12 Stunden = X

X mal die verbleibende Stundenzahl bis zur nächsten Spritze = die anteilige Dosis
  • Spritzzeit morgens 6 Uhr
  • Dosis 1,5 IE
  • Der um 6 Uhr gemessene Pre beträgt 63 mg/dl (3,5 mmol/l).
    Man füttert die Katze wie gewohnt und misst gegen 8 Uhr einen Wert von Über 80 mg/dl (4,4 mmol/l).
  • Die anteilige Dosis berechnet sich so:
    (1,5 IE / 12) * 10 Stunden => 1,25 IE 

 

Ein sehr häufiger Anfängerfehler ist, dass die Insulindosis zum Teil drastisch reduziert wird, sobald die ersten physiologischen Werte gemessen werden.
Das erfolgt meist aus Unsicherheit oder Angst.
Die Verabreichung von konstant bleibenden Dosen ist in der Einstellungsphase jedoch wichtig.
Die Blutzuckerwerte werden mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder steigen und man muss mit der Einstellung wieder von vorne beginnen, wenn man ohne Notwendigkeit die Insulindosis reduziert (s. Phase 4 – Reduzierung der Dosis). Die Dosis, mit der gute Werte erzielt werden, sollte man beibehalten, bis die Werte zu einer Dosisreduzierung zwingen.

Warum ist das so?

Die Katze bekommt täglich eine bestimmte Menge Futter - diese muss verstoffwechselt werden.
Damit das gewährleistet ist, braucht die Futtermenge eine bestimmte Dosis Insulin.
Um das zu erreichen, muss man sich dieser Insulindosis so lange nähern, bis sie ausreicht.
Es funktioniert mit Lantus/Levemir nicht die Dosis täglich zu verändern („Dosis-Hopping“), zeit- und mengenmäßig sollte man möglichst konstant bleiben.
Lantus und Levemir bilden Depots im Körper, daher sollte eine neue Dosis erst einmal gehalten werden, um die Wirkung der neuen Dosis beurteilen zu können.
Wenn jedoch ersichtlich wird, dass keine akzeptablen Werte (unter der Nierenschwelle) zu erwarten sind, verkürzt sich dieser Zeitraum erheblich.  

Phase 3 - Halten der Dosis

Wenn eine Dosis gefunden wurde, die es möglich macht die Blutzuckerwerte kontinuierlich zwischen 50 mg/dl (2,8 mmol/l) und 200/220 mg/dl (11,1 / 12,2 mmol/l) zu halten, sollte man bei dieser Dosis bleiben und sie halten.
Die meisten Katzen erreichen es, Werte zwischen 50 und 100 mg/dl zu haben.
Die Werte sollten möglichst nicht unter 50 mg/dl liegen.
 

Damit die Werte noch gleichmäßiger und die Kurve ggf. noch flacher wird, könnte man in dieser Phase noch ein wenig Feintuning versuchen.  

Die Messung nach Ketonen kann, wenn die Katze im physiologischen Bereich Werte produziert, eingestellt werden. Sollte aber sofort wieder aufgenommen werden, wenn wieder schlechtere Werte gemessen werden. 

Es ist wichtig für die Gesundheit der Nieren, die Blutzuckerwerte unter dem Nierenschwellenwert, bei Katzen 200 bis 220 mg/dl (11,1 bis 12,2 mmol/l) zu halten.

 

Phase 4 - Reduzieren der Dosis 

Man reduziert das Insulin:

  • wenn die Katze einen Wert unter 40 mg/dl (2,2 mmol/l) hat, reduziert man die Dosis sofort!
  • wenn die Katze an 3 aufeinanderfolgenden Tagen 3-mal Nadire zwischen 40 und 50 mg/dl (2,2 und 2,8 mmol/l) produziert, versuche die Dosis um 0,25 bis 0,5 zu reduzieren.
    Liegt die z.Z. verabreichte Dosis bei 0,5 IE oder weniger, reduziert man in 0,1er Schritten.
  • man kann versuchen die Dosis zu reduzieren, wenn die Katze wenigstens eine Woche lang konstante im physiologischen Bereich liegende Blutzuckerwerte hat und unter 100-110 mg/dl  (5,5 – 6,1 mmol/l) bleibt.
    Bevor man die Dosis erneut reduziert, sollte man sicher sein, dass die Werte der Katze stabil im physiologischen Bereich bleiben.

Gehe sofort wieder zu der letzten guten Dosis zurück, wenn die Werte nicht im physiologischen Bereich bleiben. Manchmal reicht eine niedrige Dosis nicht, weil die Bauchspeicheldrüse sich noch nicht ausreichend erholt hat. Auch eine zu schnelle Reduzierung funktioniert bei den meisten Katzen nicht, so dass sie nicht in Remission gehen.

 

Phase 5 - Remission
 

Wenn man die Insulindosis kontinuierlich reduzieren konnte, ohne ein erneutes Ansteigen der Werte, kommt man an den Punkt, wo man vorsichtig das Insulin ganz ausschleichen kann.
Man spricht von Remission, wenn die Katze weiterhin physiologische Werte hat und kein Insulin mehr benötigt wird und dieser Zustand länger als 14 Tage anhält.  

Wir empfehlen den Blutzuckerspiegel auch weiterhin wenigstens 1x wöchentlich zu messen um rechtzeitig wieder auf eine Erhöhung der Werte aufmerksam zu werden.  


Seine Diabetes-Ausrüstung sollte man immer aktuell halten und immer Insulin im Haus haben, denn eine Remission kann durch einen Infekt oder andere Erkrankung sehr schnell vorbei sein. Je schneller man darauf reagieren kann und mit Insulin eingreift (und auch die notwendige Behandlung der Erkrankung beim TA veranlasst), desto wahrscheinlicher wird eine erneute Remission.
Wichtig ist, dass weiterhin gesundes Futter gegeben wird (kein Zucker, kein Getreide, weniger als 10% KH).
Man sollte auch beachten, dass eine Cortisongabe die Remission beenden kann.
Wenn irgend möglich, sollte man darauf verzichten.
(Ausnahme: es ist die einzig mögliche Behandlungs-Alternative) 

 

Was tue ich, wenn meine Katze keine verlässlich stabilen Werte bekommt, obwohl ich mich an die Empfehlungen halte?
 

Leider gibt es Katzen, die sich trotz der Empfehlungen nicht wie gewünscht einstellen lassen.
Es gibt Möglichkeiten, die man ausprobieren kann, wenn man feststellt, dass die eigene Katze zu diesen schwer einstellbaren Katzen gehört.  

Diese Möglichkeiten könnten sein:  

  • ein Insulinwechsel
  • häufigere Dosisanpassungen ( wenn man sich zwischen Schritt 2 und 4 bewegt und Schritt 3 nicht erreicht wird)
  • eventuell der zusätzliche Einsatz eines Rapidinsulins um hohe PRE zu senken
    (wenn es zu Abstürzen zwischen den Pres durch Erhöhen der normalen Insulindosis kommen würde)
  • eventuell kann man auch testen, ob sich eine Besserung durch zwei verschiedene Dosen einstellen würde.
    Das ist jedoch von Katze zu Katze individuell unterschiedlich. Die Basis für die Beurteilung dafür bildet die Wertetabelle der jeweiligen Katze und ggf. weitere Erkrankungen und medizinische Befunde.



Wichtiger Hinweis

Es gibt einige Blutzuckermessgeräte (Glucometer), die zwar die Isonorm erfüllen, aber doch stark nach oben abweichen.
Deshalb möchten wir zur Sicherheit empfehlen, bei diesen Geräten (z.B. Precision xceed, Accu Chek Aviva) die Zielwerte im niedrigen Blutzuckerbereich um +10 mg/dl (+1 mmol/l) anzuheben.

Die Werte beim Alpha GDH werden (ab ca. 250 mg/dl (13,8 mmol/l=) im hohen Bereich noch höher angezeigt.

Bitte vermerkt in euren Tabellen, welche Geräte ihr benutzt und weist uns auf einen Gerätewechsel hin. 

 

 

Verfasser: Petra/Momo 2013  

Quelle: Rand, Jacquie: Praxishandbuch Katzenkrankheiten Symptombasierte Diagnostik und Therapie. Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH August 2009, ISBN-10: 343755560X Seite 275ff

 

Das Einstellungsprotokoll auf welches wir uns beziehen ist im Original nachlesbar in englischer Sprache.

Veröffentlicht von der University of Queensland School of Veterinary Science.

www.uq.edu.au/vetschool/content/ccah/diabetesinfo/link4.pdf